Berufliches Schulzentrum
Sulzbach-Rosenberg

Bernhard Saurenbach, der Vorsitzende der Amberger Tafel, informierte Schüler am BSZ über die Hilfsangebote der Tafeln.

Saurenbach berichtete den Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen (WAF) und den Schülern der Fachklasse für Altenpflege von 941 Tafeln, die es mittlerweile in Deutschland gebe. 167 Tafeln gibt es in Bayern, wobei der Referent für 45 dieser Tafeln zuständig ist. Die Tafeln in Deutschland existierten seit mittlerweile 25 Jahren.
Neben der Hauptaufgabe, bedürftigen Menschen zu helfen, gehe es bei der Tätigkeit der Tafel auch darum, Lebensmittel zu retten. Zum Leitbild der Tafeln gehören Nachhaltigkeit, Humanität, Gerechtigkeit, Teilhabe sowie soziale Verantwortung, „denn die Tafeln seien die größte soziale Bewegung in Deutschland geworden“, so Saurenbach.
60.000 ehrenamtliche Helfer setzen sich derzeit für ihre Mitmenschen ein. In Deutschland gebe es derzeit 1,6 Millionen Bedürftige, ein knappes Drittel seien Kinder und Jugendliche und ein weiteres knappes Drittel die Senioren unserer Gesellschaft.
Die Arbeitslosigkeit sei auf einem erfreulichen Stand von nur vier Prozent, allerdings seien immer mehr Beschäftigte in Teilzeit, der Mindestlohn von 9,35 € werde immer wieder umgangen, derzeit arbeiten eine Million Menschen auf Leiharbeiterbasis und 2,5 Millionen Menschen seien geringfügig beschäftigt, fütterte Saurenbach die Auditorien mit Zahlen. Er erläuterte die Hilfen bei Hartz IV ebenso wie die Grundsicherung im Alter.
Die Amberger Tafel habe am 19. April 2005 erstmals Lebensmittel ausgegeben, 70 Lebensmittelmärkte, Bäckereien oder Metzgereien unterstützen mit Sachspenden ebenso wie 95 ehrenamtliche Mitarbeiter, um etwa 1.700 Bedürftige in Stadt und Landkreis mit Lebensmitteln zu versorgen. So viele Menschen sind bei der Tafel registriert, allerdings dürfte es insgesamt in der Stadt Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach etwa 8.000 bedürftige Personen geben.
Die Anfänge der Tafel erleichterten das Kolpingbildungswerk sowie die Firma Conrad – „mittlerweile sind an 1.468 Ausgabetagen 383.545 Kisten Lebensmittel ausgegeben worden und konnten über 3.500 Tonnen Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet werden“, freute sich der Vorsitzende. „Jeder Deutsche wirft im Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel weg“, bedauerte Saurenbach, „darunter sind 26 Prozent Gemüse, 18 Prozent Obst und 15 Prozent Backwaren. Das sind in der Summe elf Millionen Tonnen Lebensmittel, wobei dafür zu 61 Prozent der Verbraucher verantwortlich ist- der Handel selbst schlage nur mit fünf Prozent zu Buche.
Saurenbach erklärte weiter das System der Nachernte: Durch den trockenen Sommer und nachfolgenden Regen haben Kartoffeln einen zweiten Kopf bekommen. Von diesem einwandfreien Lebensmittel spendierte der Kartoffelbauer Trummer aus Hahnbach der Tafel jede Woche zehn Zentner, lobte Bernhard Saurenbach.
Schließlich ermunterte der Vorstand die Schülerinnen und Schüler, das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht überzubewerten, denn die Lebensmittel sind im Regelfall deutlich länger einwandfrei verzehrbar, auch wenn das MHD schon Tage oder sogar Wochen verstrichen sein – das richtet sich nach den jeweiligen Lebensmitteln.
Ohne einen Berechtigungsausweis könne die Tafel nichts ausgeben, derzeit würden in Amberg knapp 700 Haushalte versorgt. Jeder Essenskorb koste einen Obolus von zwei € und im Schnitt kämen an den jeweils zwei Ausgabetagen in der Woche etwa 220 Kunden. Hygiene spiele bei der Tafel natürlich eine besondere Rolle. Saurenbach zeigte sich auch sehr glücklich über die regionalen Sponsoren, so konnten Weihnachtswunschzettel mit etwa 25 € pro Kind ebenso erfüllt werden wie neue Schultaschen für ABC-Schützen. Außerdem könne ab und an auch der Besuch eines kulturellen Ereignisses gefördert werden.
Herzlichen Dank an Herrn Saurenbach für den interessanten und aufschlussreichen Vortrag sowie an Dipl.-Religionspädagoge Wolfgang Lorenz für die Organisation.

BSZ Sulzbach-Rosenberg beteiligt sich an Spendenaktion für Gambia

Auf Anregung und unter Federführung von StR Johannes Rittner wurden Klassentische und –stühle an die Gambiahilfe Kaytola e.V. gespendet. Die Schulmöbel, die am BSZ wegen Umstrukturierungsmaßnahmen nicht mehr benötigt werden, wurden an die Gambiahilfe weitergegeben. Die Schüler der EEG10A (Bild) hatten beim Verladen der Schulmöbel tatkräftig mitgeholfen.

Das Dorf Kerevan und die Emma-School freuen sich über die Unterstützung aus der Oberpfalz. Die Gambiahilfe Kaytola mit Sitz in Freihung hatte zuletzt im Oktober einen ganzen Container auf die Reise geschickt. Etwa 500 Kisten mit Kleidung, Schuhen, Geschirr, Spiel- und Schulsachen wurden gepackt. Hinzu kamen Schulmöbel, Tafeln, Overheadprojektoren und PCs. Alles gespendet von Schulen, Firmen und Privatleuten. Bis zum Frühjahr soll ein erneuter Hilfscontainer auf den Weg gebracht werden.

Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg bietet die Möglichkeit Leben zu retten

Am 11.12.2019 organisierte die 12. Jahrgangsstufe der Industriekaufleute (WIN 12) vom Beruflichen Schulzentrum Sulzbach-Rosenberg, zusammen mit der Lehrkraft Frau Schwendner, einen Projekttag zum Thema „DKMS“ (Deutsche Knochenmarkspenderdatei). In diesem Rahmen fanden sowohl an der Berufsschule als auch an der Berufsfachschule Infovorträge mit anschließender Möglichkeit zur Typisierung statt, wobei die Aktion an der Berufsfachschule von der Sozialpflegeklasse 11 begleitet wurde. Unterstützt und eingewiesen wurden die Industriekaufleute sowie die Sozialpflegeklasse von Frau Rohrwild, welche die DKMS vertritt und gleichzeitig bereits selbst als Stammzellenspenderin fungiert hat.

Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist. Doch jeder zehnte Patient findet nicht rechtzeitig einen Spender. Um mehr Schüler darauf aufmerksam zu machen, wie einfach es sein kann, das Leben eines an Blutkrebs erkrankten Menschen zu retten, wurde von der Klasse WIN12 eine Infoveranstaltung mit Spendenaktion gestartet. Nach dem von Frau Rohrwild präsentierten Vortrag wurden die einzelnen Klassen gefragt, ob sie bereit wären, sich bei DKMS registrieren zu lassen. Am Ende konnten an der Berufsschule und Berufsfachschule insgesamt 131 neue Registrierungen verzeichnet werden. Um die Registrierungskosten für einen Spender bei der DKMS decken zu können, wurden zahlreiche Spenden gesammelt. Am Ende ergab sich ein Gesamtbetrag in Höhe von 5.300,00 €, welcher an die DKMS überreicht werden konnte. Dieser Betrag setzt sich aus den Spenden der Unternehmen der BerufsschülerInnen, der Klassen, der Lehrkräfte und der Spenden vom Konzert „Percussion“ zusammen. Zusätzlich wurde von der Metzgerklasse 12 ein Pausenverkauf organisiert, bei welchem wiederum die Erlöse der DKMS zugutekamen.

Ein großer Dank geht an alle Geldspender, die diese Aktion mit ihrer Hilfe unterstützt haben und an die Schülerinnen und Schüler, die bereit waren, sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen und somit zu einem Lebensretter werden könnten.

Outdoor-Weltkarte als Zeichen für Schule mit Courage

Sulzbach-Rosenberg(lz/bba). Seit einigen Jahren darf das BSZ die Auszeichnung "Schule mit Courage-Schule gegen Rassismus" führen. Dieser Titel wird auch in der schulischen Praxis immer wieder mit Leben gefüllt: so fanden zahlreiche gemeinsame Unterrichtsstunden von einheimischen Klassen zusammen mit Klassen junger, unbegleiteter Flüchtlinge statt. Die Band "Django 3000" konnte als Pate gewonnen werden und war schon mehrfach in der Berufsschule zu Gast- wie auch die Band "Dicht & ergreifend", die diese Patenschaft an der BS Landshut übernommen hat. Derzeit findet in der einzigen verbliebenen Klasse mit jungen unbegleiteten Flüchtlingen intensiver Projektunterricht statt - ein Modul dabei war das außergewöhnliche Mansour-Projekt aus Berlin.

 "Alle Menschen sind wertvoll", betonte die Schulleiterin und freute sich über die vielfältigen Aktivitäten: "In Sulzbach-Rosenberg werden alle diese wichtigen Werte auch vertreten". Zweiter Bürgermeister Günter Koller überbrachte die Grüße des diözesanen Caritasverbandes, der diese Aktion aus dem Fonds des Bistums finanziert hatte. "Zu meiner Schulzeit hätte ich nie gedacht, dass wir uns Jahre später wieder mit Rassismus beschäftigen müssen", bedauerte Koller. Er appellierte insbesondere an die Schüler/innen, stellvertretend an die anwesenden auszubildenden Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen, sich für Politik zu interessieren und ansonsten nicht nur die Überschriften von Artikeln zu lesen - wie es mittlerweile fast zwei Drittel der Menschen tun. „Sulzbach-Rosenberg ist und bleibt eine tolerante Stadt und der Respekt ist in Sulzbach-Rosenberg präsent", so der Kommunalpolitiker.

 

Projektleiter Wolfgang Lorenz bedankte sich abschließend bei der Schulleitung mit OStDin Sabine Fersch und StD Thomas Lehmeier, allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern im Kollegium und in der Schülerschaft, dem Landkreis Amberg-Sulzbach, dem Kreisjugendamt, dem Bezirksjugendring, der Caritas, dem SOS- Kinderdorf, das diese bunte Weltkarte als Inklusionsprojekt unter Federführung von Ulrich Brewitzer und seinen Mitstreitern Tim und Marcel fertigte, dem Jugendförderverein Megaphon und der Projektleiterin Bettina Bauer für ihren stetigen und unermüdlichen Einsatz.

 

„Fakt oder Fake“ – Umgang mit Fake News und Hate Speech

Wie erkenne ich Falschmeldungen und wie gehe ich damit um? Mit diesen Fragen durften sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte des Beruflichen Schulzentrums Sulzbach-Rosenberg am Mittwoch, 04.12.2019, auseinandersetzen.

Medienpädagoge Philipp Reich, Leiter des Jugendmedienzentrums Oberpfalz Nord, informierte über Möglichkeiten eines Quellen-, Fakten- und Bild-Checks zur Überprüfung des Wahrheitsgehaltes von Nachrichten und Meldungen. Im Zeitalter der digitalen Medien gewinnt der kritische Umgang mit dort veröffentlichten Beiträgen, bei welchen es sich ggf. um „Fake-News“ handeln könnte, immer mehr an Bedeutung. So genannte Fake News seien dabei in der Regel Fehlinformationen, die im Internet absichtlich gestreut und verbreitet werden. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, sensibilisierte Philipp Reich die Teilnehmer durch unterschiedliche Inhalte und Methoden. Mit Hilfe eines interaktiven Online-Tools wurden Techniken zur Entlarvung von Falschmeldungen eingeübt. Praktische Beispiele aus dem Alltag von Jugendlichen wurden aufgezeigt, bearbeitet und besprochen.

Zudem wurden verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf „Hate Speech“ aufgezeigt und analysiert. Der Referent verdeutlichte, dass bestimmte Reaktionen besser vermieden werden sollten, weil sie eher eine Konfrontation fördern würden. Andere Reaktionen hingegen würden verstärkt zu einer Entschärfung bzw. Deeskalation beitragen und seien daher eine empfehlenswerte Entgegnung zur „Hate Speech“.

Die Schulung war für die teilnehmenden Schüler/innen und Lehrkräfte bestens geeignet, die eigene Medienkompetenz zu erweitern.

Vielen Dank an StRin Veronika Schwendner für die Organisation dieser Veranstaltung!

"Webhygiene und die Tricks der Datensammler"

Der Personalrat konnte für die Personalversammlung am 28.11.2019 mit Herrn Holger Weber einen renommierten Medien-Experten als Gastreferenten gewinnen. In seinem rund zweistündigen Referat verdeutlichte er die hohe Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit den sozialen Medien und den Möglichkeiten im digitalen Zeitalter.

Im Vortrag wurde deutlich, welche Konsequenzen ein leichtfertiges Surfverhalten mit sich bringen kann. Negative Auswirkungen – teilweise erst Jahre später, sind keine Seltenheit, etwa im Hinblick auf den eigenen weiteren Karriereweg oder die Finanzierung des Eigenheims. Durch achtsames Surfverhalten lassen sich derartige böse Überraschungen weitgehend vermeiden, so der Experte. Er gab Tipps und Ratschläge, mit welchen einfachen (technischen) Mitteln man sich vor dem Verlust privater Daten und dem Ausspähen des individuellen Surfverhaltens schützen kann.

Ein interessanter Vortrag und ein gelungener Beitrag zur Förderung der individuellen Medienkompetenz!

Ausführliche Informationen zum Thema und zu denkbaren Schutzmaßnahmen, zusammengefasst in einem „Werkzeugkoffer“, findet man auch auf der Website des Referenten:

www.webhygiene.de

Das Berufliche Schulzentrum ist „Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule“!

Der bayerische Umweltminister hat dem Beruflichen Schulzentrum Sulzbach-Rosenberg am 25.11.2019 den offiziellen Titel „Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule für das Schuljahr 2018/2019“ verliehen. Diese Auszeichnung erhalten Schulen, die in besonderer Weise Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung realisieren, indem sie innerhalb eines Schuljahres an zwei Projekten zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit arbeiten und dabei zeigen, wie sie durch Verhaltensänderungen sowie konkrete Umsetzungsmaßnahmen an ihrer Schule zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt beitragen.

Unsere Schule hat die Auszeichnung für folgende Projekte im Schuljahr 2018/2019 erhalten: 

 

  1. Der Tag der Nachhaltigkeit an der Berufsfachschule
  2. Die Leistungsschau der Fleischerinnung an der Berufsschule, mit dem Fokus auf regionaler Fleischerzeugung

 

Die Lehrkräfte Simon Hambeck und Bernd Roth nahmen als Vertreter des BSZ Sulzbach-Rosenberg die Auszeichnung in Regensburg entgegen. Sie freuen sich über den Titel, der auch eine Auszeichnung der Schülerinnen und Schüler darstellt, die sich im Schuljahr 2018/2019 mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiv auseinandergesetzt haben und sich überlegten, was man im Kleinen machen kann, um die Umwelt zu schonen.

 

Mansour-Projekt zu Gast am BSZ

Das Mansour-Projekt fördert im Rahmen von Workshops die Auseinandersetzung mit bestehenden Denkmustern und Wertesystemen.

Das Quartett vom Mansour-Projekt aus Berlin überzeugte mit einem professionellen Workshop und einem Dialog auf Augenhöhe. Mit emotionalen Rollenspielen, die unterschiedliche kulturelle Denkweisen auf den Punkt brachten, etwa was das Geschlechterverständnis oder den Zugang zur Religion anbelangt. Unter dem Motto „Re think“ wurden den jungen Leuten – in der Regel unbegleitete junge Flüchtlinge – Denkanstöße gegeben, ihre Werte, Einstellungen und Meinungen zu Themen wie Islamverständnis, Gleichberechtigung oder Männlichkeit kritisch zu hinterfragen.

Die Aufgaben in einer Familie sind strukturiert – hat die Tochter die Hemden des älteren Bruders zu bügeln oder ist er dafür selbstverantwortlich? Eine andere muslimische Tochter will heiraten, sie hat aber einen deutschen Freund: Wie gehen Eltern oder auch Verwandte mit dieser Situation um?

Zwei emotionale szenische Anspiele durch den 49-jährigen Theaterpädagogen Yilmaz Atmaca sowie die beiden Psychologinnen Naila Chikhi und Henna Tahir lieferten die Basis für einen außergewöhnlichen Projekttag im Beruflichen Schulzentrum Sulzbach-Rosenberg. Das Trio wurde noch von Dr. Gürcan Kökgiran bereichert, der als Beobachter tätig war und künftig dieses ganz besondere Projekt koordinieren soll.

Im ersten Anspiel bringt die Mutter die Hemden des älteren Bruders, die jüngere Schwester möge sie bügeln. Fragen wie „Warum macht der Bruder das nicht selbst? Wie viel körperliche Arbeit hat die Frau zu machen? Warum können diese Aufgaben nicht innerhalb der Familie aufgeteilt werden?“ wurden von den Moderatoren gestellt. „Für Frauen werde viel getan, dennoch leben wir in einer Gesellschaft, in der Männer mehr Rechte oder auch mehr Geld haben!“ diagnostizierte Yilmaz Atmaca. „Vorher durften nur die Frauen zu Hause bleiben, jetzt gibt es auch eine Elternzeit für Männer“, so der Theaterpädagoge. „Frauen können ihr Leben auch immer mehr selbst gestalten, aber je nach Kultur und Religion sorgen gerade junge starke Frauen für Irritationen.“ Naila Chikhi ergänzte, dass während des Krieges irakische Frauen ausgebildet worden seien, da die Männer im Kriegseinsatz gewesen seien. „Und diese Frauen haben einen wertvollen Beitrag geleistet, das Land aufrecht zu erhalten“, so die Psychologin. Die Protagonisten beleuchteten noch weitere wichtige Faktoren und lebenskulturelle Erfahrungen, aber auch Problemfelder wie eine ins Auge gefasste Trennung, die wegen finanzieller Abhängigkeit gar nicht möglich sei. Eine Frau könnte dann nicht arbeiten gehen und somit auch keine Miete bezahlen.

„Ich fühle mich wohl, wenn eine Frau stark ist“, erklärte Yilmaz Armaca, „natürlich sind wir Männer, aber keine Götter. Jede Beziehung und jede Begegnung gebe dem Anderen etwas mit, eine sehr gute Beziehung fuße auf einem sehr guten Zusammenspiel.“

Beim nächsten szenischen Spiel überraschte die Tochter ihre Mutter mit ihren Heiratsplänen. Die Mutter scheint konsterniert und bittet ihr Kind, diese Gedanken selbst dem Vater zu offenbaren. Der spielt entsetzt, weil der geplante Schwiegersohn ein Deutscher und kein Muslime sei. Die Argumente der Tochter, des gegenseitigen Voneinander-Lernens prallen beim Vater ab, der sauer auf die Ehre der Familie hinweist und diesem Wunsch nicht zustimmt. Bei der folgenden sehr regen Diskussion wurden vor allem das Familien- und das Glaubensverständnis hinterfragt. Dabei wurde auch bedauert, dass in manchen Ländern die Frage der Religion zu einer Privatsache verkümmert ist.

Die beiden Projektleiter Bettina Bauer und Wolfi Lorenz freuten sich über einen vollauf gelungenen und vor allem auch sehr integrativen Tag. Ihr Dank galt neben den Akteuren dem „Sponsor“, dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration sowie der Hauswirtschaftsklasse 10 für einen schmackhaften kulinarischen Rahmen.

Bildtext: Die jugendlichen Teilnehmer an diesem Workshop am BSZ stellten der „Re Think-Gruppe“ mit Yilmaz Atmaca (zweiter von links ), Naila Chikhi und Henna Tahir zahlreiche Fragen. Bild: bba

Defizite sind jetzt kein Hindernis mehr

 
Sonderpädagogisches Förderzentrum und Berufsschule bekommen für ihre Zusammenarbeit "Schulprofil Inklusion" überreicht

Sulzbach-Rosenberg. (ge) Leon, ein Schüler der 8. Klasse im Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ), möchte Schreiner werden. Er wird im Schuljahr noch ein bis zwei Wochen in einem solchen Betrieb praktizieren, um seinen Berufswunsch zu überprüfen. Der praktische Unterricht im Bereich Holz an der Berufsschule Sulzbach-Rosenberg macht ihn aber bereits mit den schulischen Anforderungen in diesem Berufsfeld vertraut.

Eine Vorbildfunktion

"Inklusion ist dann erzielt, wenn man nicht mehr darüber spricht." Landrat Richard Reisinger stellte diesen klugen Satz an den Anfang eines höchst erfreulichen Termins: Das SFZ und das Staatliche Berufliche Schulzentrum (BSZ) Sulzbach-Rosenberg wurden von der Kultus-Staatssekretärin Anna Stolz mit dem Schulprofil "Inklusion" ausgezeichnet. Beide Schulen übernähmen damit eine Vorbildfunktion in der individuellen Förderung von Schülern.

Alles aus erster Hand

Wie kam es dazu? Beide benachbarte Schulen kooperieren schon länger bestens miteinander, um Schüler mit Defiziten auf den verschiedensten Gebieten gemeinsam mit den anderen optimal auf das Berufsleben vorzubereiten. "Schüler der Oberstufe am SFZ benötigen zahlreiche praktische Erfahrungen, um ihren Platz im Berufsleben zu finden", erläuterte dessen Leiterin Gisela Lehnerer. Schulisch werde dies unterstützt durch den Unterricht in den Fächern Technik und Soziales, und zwar während berufsorientierender Projekte etwa mit dem Kolping-Bildungswerk und während der Praktika in verschiedenen Betrieben. "Durch die inklusive Zusammenarbeit mit dem Berufsschulzentrum Amberg-Sulzbach erhalten unsere Schüler die Möglichkeit, praktische Erfahrungen an der Berufsschule zu sammeln. In ausgewählten Berufsbereichen bekommen sie einen praxisorientierten Einblick in die Anforderungen verschiedener Berufsfelder. In diesem Jahr sind dies die Bereiche Holz und Fleischerei", erläuterte Gisela Lehnerer.

Schwerpunkte gesetzt

"Die förderbedürftigen Schüler", so informierte Berufsschul-Chefin Sabine Fersch, "erfahren so aus erster Hand, was beispielsweise während einer Ausbildung zum Schreiner auf sie zukommt." Claudia Hanft, die am BSZ das Projekt "Schulprofil Inklusion" leitet, stellte die Kooperation der Berufsschule (70 Lehrkräfte) mit dem SPZ und seinen 43 Pädagogen vor. Die Beeinträchtigungen der Schüler im BSZ bestünden im Wesentlichen aus Förderbedarf beim Lernen und aus emotional-sozialen Störungen. Körperliche Handicaps würden durch andere Fachbereiche abgedeckt. Lernen, Sprache, Verhalten seien Förderschwerpunkte. Schüler der 7./8. Jahrgangsstufe würden auch durch den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst betreut.

Den Anteil an inklusionsbedürftigen Schülern bezifferte die Mitarbeiterin der Schulleitung auf etwa 100 bis 150 der insgesamt rund 1500 Schüler des BSZ. Beim Förderzentrum sind es naturgemäß mehr, nämlich etwa 190 von 200 Schülern.

Neue Möglichkeiten ergäben sich durch die mit der Verleihung einhergehende Stunden-Aufstockung und sonstige neue Ressourcen beim Lernprozess, dem Unterrichtsmaterial, der Unterrichtsgestaltung, der Lernumgebung und für die individuelle Förderung. Auch eine Reihe von Zukunftsvisionen stellte Claudia Hanft dar.

Bewusste Entscheidung

Was bedeutet das alles nun für den 15-jährigen Leon? Durch das Schulprojekt Inklusion kann er zu Beginn seines letzten Schuljahres 20/21 eine bewusste Entscheidung für seinen Wunschberuf treffen und einen Lehrvertrag unterschreiben.

Sein letztes Betriebspraktikum in der 9. Klasse kann er dann bereits in seinem gewählten Ausbildungsbetrieb absolvieren. Schüler und Betrieb kennen sich so bereits vor der Ausbildung, die inklusive Vorbereitung der Berufswahl endet im Idealfall mit einer erfolgreichen Gesellenprüfung zum Schreiner. "Denn wir brauchen alle unsere Schüler dringend im ersten Arbeitsmarkt", mahnte Gisela Lehnerer.

Quelle: Sulzbach-Rosenberger Zeitung, vom 08.11.2019

Ehrung der Schulbesten