Berufliches Schulzentrum
Sulzbach-Rosenberg

Defizite sind jetzt kein Hindernis mehr

 
Sonderpädagogisches Förderzentrum und Berufsschule bekommen für ihre Zusammenarbeit "Schulprofil Inklusion" überreicht

Sulzbach-Rosenberg. (ge) Leon, ein Schüler der 8. Klasse im Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ), möchte Schreiner werden. Er wird im Schuljahr noch ein bis zwei Wochen in einem solchen Betrieb praktizieren, um seinen Berufswunsch zu überprüfen. Der praktische Unterricht im Bereich Holz an der Berufsschule Sulzbach-Rosenberg macht ihn aber bereits mit den schulischen Anforderungen in diesem Berufsfeld vertraut.

Eine Vorbildfunktion

"Inklusion ist dann erzielt, wenn man nicht mehr darüber spricht." Landrat Richard Reisinger stellte diesen klugen Satz an den Anfang eines höchst erfreulichen Termins: Das SFZ und das Staatliche Berufliche Schulzentrum (BSZ) Sulzbach-Rosenberg wurden von der Kultus-Staatssekretärin Anna Stolz mit dem Schulprofil "Inklusion" ausgezeichnet. Beide Schulen übernähmen damit eine Vorbildfunktion in der individuellen Förderung von Schülern.

Alles aus erster Hand

Wie kam es dazu? Beide benachbarte Schulen kooperieren schon länger bestens miteinander, um Schüler mit Defiziten auf den verschiedensten Gebieten gemeinsam mit den anderen optimal auf das Berufsleben vorzubereiten. "Schüler der Oberstufe am SFZ benötigen zahlreiche praktische Erfahrungen, um ihren Platz im Berufsleben zu finden", erläuterte dessen Leiterin Gisela Lehnerer. Schulisch werde dies unterstützt durch den Unterricht in den Fächern Technik und Soziales, und zwar während berufsorientierender Projekte etwa mit dem Kolping-Bildungswerk und während der Praktika in verschiedenen Betrieben. "Durch die inklusive Zusammenarbeit mit dem Berufsschulzentrum Amberg-Sulzbach erhalten unsere Schüler die Möglichkeit, praktische Erfahrungen an der Berufsschule zu sammeln. In ausgewählten Berufsbereichen bekommen sie einen praxisorientierten Einblick in die Anforderungen verschiedener Berufsfelder. In diesem Jahr sind dies die Bereiche Holz und Fleischerei", erläuterte Gisela Lehnerer.

Schwerpunkte gesetzt

"Die förderbedürftigen Schüler", so informierte Berufsschul-Chefin Sabine Fersch, "erfahren so aus erster Hand, was beispielsweise während einer Ausbildung zum Schreiner auf sie zukommt." Claudia Hanft, die am BSZ das Projekt "Schulprofil Inklusion" leitet, stellte die Kooperation der Berufsschule (70 Lehrkräfte) mit dem SPZ und seinen 43 Pädagogen vor. Die Beeinträchtigungen der Schüler im BSZ bestünden im Wesentlichen aus Förderbedarf beim Lernen und aus emotional-sozialen Störungen. Körperliche Handicaps würden durch andere Fachbereiche abgedeckt. Lernen, Sprache, Verhalten seien Förderschwerpunkte. Schüler der 7./8. Jahrgangsstufe würden auch durch den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst betreut.

Den Anteil an inklusionsbedürftigen Schülern bezifferte die Mitarbeiterin der Schulleitung auf etwa 100 bis 150 der insgesamt rund 1500 Schüler des BSZ. Beim Förderzentrum sind es naturgemäß mehr, nämlich etwa 190 von 200 Schülern.

Neue Möglichkeiten ergäben sich durch die mit der Verleihung einhergehende Stunden-Aufstockung und sonstige neue Ressourcen beim Lernprozess, dem Unterrichtsmaterial, der Unterrichtsgestaltung, der Lernumgebung und für die individuelle Förderung. Auch eine Reihe von Zukunftsvisionen stellte Claudia Hanft dar.

Bewusste Entscheidung

Was bedeutet das alles nun für den 15-jährigen Leon? Durch das Schulprojekt Inklusion kann er zu Beginn seines letzten Schuljahres 20/21 eine bewusste Entscheidung für seinen Wunschberuf treffen und einen Lehrvertrag unterschreiben.

Sein letztes Betriebspraktikum in der 9. Klasse kann er dann bereits in seinem gewählten Ausbildungsbetrieb absolvieren. Schüler und Betrieb kennen sich so bereits vor der Ausbildung, die inklusive Vorbereitung der Berufswahl endet im Idealfall mit einer erfolgreichen Gesellenprüfung zum Schreiner. "Denn wir brauchen alle unsere Schüler dringend im ersten Arbeitsmarkt", mahnte Gisela Lehnerer.

Quelle: Sulzbach-Rosenberger Zeitung, vom 08.11.2019

Ehrung der Schulbesten

Generalsanierung am Beruflichen Schulzentrum Sulzbach-Rosenberg

Der älteste Bereich (mit der Verwaltung und Klassenräumen) im Osten des Geländes wird abgerissen und durch
einen Neubau ersetzt. Im westlichen Teil entsteht ein sechsstöckiges Schülerwohnheim mit etwa 80 Einzelzimmern. Neben diversen Sanierungen in den Werkstätten kommt zudem ein Saalanbau (300 Quadratmeter), und die Zahl der Parkplätze steigt von 50 auf 150. Laut Herbert Osel darf der Landkreis bei diesen Kosten auf 16 Millionen Euro Förderung hoffen, während er etwa 30 Millionen Euro selbst tragen muss. Die Bauzeit prognostizierte der Architekt vom Würzburger Büro „hjp“ mit „2020 bis 2025 oder 2026“.